Reflecting the Times

Was passiert, wenn Musiker*innen mit unterschiedlichem musikalischem Background für einen Tag in eine Wohngemeinschaft einziehen, um gemeinsam Musik zu machen? Was hätten sie sich zu erzählen, worüber würden sie diskutieren, worüber lachen und streiten? Jakob, Künstlermanager bei guerillaclassics, hatte die WG-Idee zu Jahresbeginn zum ersten Mal auf den Tisch gebracht. Wäre es nicht spannend, einmal das Zepter aus der Hand zu geben und einer Handvoll Künstler*innen einen Ort zur Verfügung zu stellen, an dem sie völlig frei sein dürfen, an dem sie die Fragen unserer Zeit mit ihrer Musik erforschen und gemeinsam Neues schaffen können?

 

Die Erlebnisse und Erfahrungen rund um die Südafrika-Tour im März, brachten die künstlerische Leiterin Hiromi dazu, die Schönheit der klassischen Musik durch eine völlig neue Brille zu betrachten. Begegnungen und Gespräche mit Künstler*innen wie Tracy September haben einen weiteren Stein ins Rollen gebracht und für stundenlangen Diskussionsstoff im guerillaclassics-Team gesorgt: Woran liegt es eigentlich, dass die so genannte klassische Musik hauptsächlich als europäische Musik betrachtet wird? Wo zieht man die Trennlinie zwischen klassischer und traditioneller Musik?

 

Unsere bisherige Herangehensweise an die klassische Musik war auf einmal über den Haufen geworfen – zum Glück. Denn der neue Blickwinkel erlaubte es uns, das WG-Experiment in die Tat umzusetzen. Nur: Wer sollte eigentlich «einziehen» und wie wäre es möglich, neuen musikalischen Content zu kreieren?

Die südafrikanische Vokalistin und DJ Tracy aka TRA hat als erste Mitbewohnerin den Mietvertrag unterschrieben – und gleich die Idee eines Deep Listening-Sets sowie einer Impro-Session eingebracht.

Als nächster gab der Schweizer Pianist Mischa Cheung seine Zusage. Anders als Tracy hat er eine klassische Musikausbildung genossen, liebt es aber mindestens genauso sehr mit verschiedenen Stilen zu spielen und sein Verständnis von klassischer Musik immer wieder aufs Neue herauszufordern.

Der dritte im Bunde ist der Senegalesische Kora-Spieler Sadio Cissokho. Er kommt aus der westafrikanischen Griot-Tradition und ist nicht nur Musiker, sondern auch Geschichtenerzähler.

 

Am 20. Juni treffen die drei Musiker*innen zum ersten Mal musikalisch aufeinander. Das Publikum ist dazu eingeladen, nicht nur durchs Schlüsselloch in die Musiker*innen-WG zu schielen, sondern selbst Teil des Prozesses zu sein, der einen Bogen von den Ursprüngen, über die gegenwärtige Situation, hin zur Zukunft schlägt.

 

Solo Performances | 17-18 Uhr

Wie haben Tracy, Mischa und Sadio ihre Instrumente spielen gelernt? Wer hat sie unterrichtet? Und was würden ihre Lehrer*innen heute über sie sagen, würden sie sie spielen hören? In dieser familienfreundlichen und interaktiven Session wird sich das Trio über die Konzertlocation verteilen, zu ihren musikalischen Wurzeln zurückkehren und über die Musik, die sie seit Anbeginn beeinflusst hat, reflektieren. Das Publikum kann sich dabei frei vom einen zum anderen Ort bewegen und in die verschiedenen «WG-Zimmer» hineinlauschen.

Deep Listening | 20-21 Uhr

Die Zuhörer*innen sind eingeladen sich gemeinsam niederzusetzen und aktiv und aufmerksam den Improvisationen der Musiker*innen zuzuhören, Improvisationen, in denen sie auf musikalische Art und Weise die Emotionen und Fragen der heutigen Zeit auszudrücken versuchen und Antworten darauf finden wollen.

Celebrating a New Sound | 22-0 Uhr

Gemeinsam blicken wir nach vorne und wollen dem «New Normal» eine Form geben, während wir gleichzeitig unsere Hoffnungen und Träume für die Zukunft feiern. Wie könnte eine solche Zukunft sich anhören und anfühlen? Wir öffnen den Raum und laden euch ein, zu entdecken, euch in der Musik fallen zu lassen, zu tanzen oder euch um das Lagerfeuer im Innenhof zu versammeln.

 

Da wir die Hygienevorschriften des Bundes ernst nehmen und der Platz begrenzt ist, wollen wir euch bitten, euch bis zum 19. Juni 2020 unter bit.ly/concert-reflectingthetimes für das bzw. die Sets eurer Wahl anzumelden.