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Klang – Bild – Raum – Zeit

27. September 2026 • Jürg Henneberger, Christoph Bösch, Daniel Stalder, Manuel Bärtsch, Desirée Hieronimus, Severin Kolb

9 Sekunden. So lange soll die Aufmerksamkeitsspanne eines Goldfisches angeblich dauern. Im Zeitalter der digitalen Medien sind wir Menschen allerdings keinen Deut besser. Der Content (um einen bezeichnenden Begriff unserer Gegenwart zu bemühen), den wir konsumieren, wird immer kürzer. Klar, wie sollten wir Junkies sonst auch den Dopamin-Strom am Laufen halten!?

Was machen wir nun mit einem Musikstück, das uns gut 2000 Goldfisch-Aufmerksamkeitsspannen lang herausfordert? Mit einem Werk, das nicht alles dafür tut, uns bei der Stange zu halten. Entsteht ein Mosaik aus Passagen, denen wir konzentriert lauschen, und solchen, in denen unsere Gedanken an einem anderen Ort weilen – bei Arbeit, Freizeitstress, Krieg oder sonstigen Sorgen? Ist die Aufführung für uns eine Zumutung, schlimmer als Wagners «Parsifal»? Oder ein willkommener Meditationsretreat im Kleinen? Und dauern vier Stunden wirklich vier Stunden? Oder geht es uns wie Feldman, dem das Stück kürzer erschien: «It’s four but I want to reassure you: it really sounds like two.» «For Philipp Guston», das die drei Musiker Jürg Henneberger, Christop Bösch und Daniel Stalder am kommenden Sonntag ins Kunst(Zeug)Haus Rapperswil bringen, ist nur eines der vielen Stücke in seinem Werkkatalog von unerhörten Dimensionen: «Meine Stücke sind nicht zu lang. Wenn man sie anhört, scheinen sie sich in die Landschaft der Zeit einzufügen, die ich mitbringe. Würden Sie sagen, dass die Odyssee zu lang ist?» – so Feldman.

In Zusammenarbeit mit dem «Musiksommer am Zürichsee» und in Einklang mit den «Resonanzräumen», die tracy september und Severin Kolb für guerillaclassics kuratieren, verbinden wir Ausstellung, Konzert, Raumerlebnis und Meditation in einem einzigen Event. Morton Feldmans «For Philipp Guston» ist eine Welt für sich, von unerhörten Dimensionen. In diesem Werk wiederholen sich Motive und verändern sich allmählich, wie der Lichteinfall im Verlauf des Tages. Wir beginnen um 13.00 – und bleiben bis 18.00 Uhr. Du wählst selbst, wann und wie lange du vorbeikommst. Eine eingespielte (Atem-)Meditation zum Stück kann individuell genutzt werden – Kopfhörer und Geräte sind vor Ort verfügbar. Du kannst zuhören, die von Guido Baumgartner kuratierte Ausstellung «Voller Leben» der IG Halle besuchen, dich frei bewegen und selbst entscheiden, wieviel Feldman, moderne Kunst, Perspektivenwechsel dir zusagt.

 

Jürg Henneberger - Klavier, Celesta

Christoph Bösch - Flöte

Daniel Stalder - Percussion

Manuel Bärtsch - Kuration

Desirée Hieronimus, Severin Kolb - Vermittlung

 

Ort: Kunst(Zeug)Haus, Schönbodenstrasse 1, 8640 Rapperswil
Zeit: Sonntag, 27. September, 13.00 – 18.00 Uhr. (Freies Kommen und Gehen)

Eintritt frei, Kollekte

 

© Christoph Bösch, 2024

© Felix Groteloh, 2021